Patanjali, Sutra 1.30

Sutra 1.30

 व्याधि स्त्यान संशय प्रमादालस्याविरति भ्रान्तिदर्शनालब्धभूमिकत्वानवस्थितत्वानि चित्तविक्षेपाः ते अन्तराया

„Krankheit, Trägheit, Unentschiedenheit, Hast, Faulheit, Abgelenktheit, Fehleinschätzung, fehlende Zielstrebigkeit, Unbeständigkeit. Diese Hindernisse führen zur Zerstreuung des citta“ [1]

In diesem Sutra stellt Patanjali eine unangenehme, aber unausweichliche Wahrheit dar – jeder auf dem Weg muss sich einem oder mehreren dieser Hindernisse stellen. Egal wie aufrichtig und fleißig wir sind, unsere Praxis wird gelegentlich durch Krankheit und Trägheit unterbrochen. Oft erschüttert der Zweifel unsere Überzeugung.

Ich habe mich oft gefragt:

Mache ich die richtige Übung? Bin ich auf dem richtigen Weg? Woher weiß ich, dass ich keinen Fehler mache?

Selbst wer mit dem höchsten Maß an Belastbarkeit ausgestattet ist, wird nachlässig oder fahrlässig. Wer von uns ist von den Reizen und Versuchungen der Welt völlig unberührt geblieben? Halluzinationen (das Unwirkliche mit dem Wirklichen zu verwechseln) machen uns zusammen mit unseren Vorurteilen, Sorgen und vorgefassten Hinweisen unangemessen wertend und so verfolgen wir uns selbst und andere weiter. Selbstverurteilung, Schuldgefühle, Entfremdung von uns selbst und anderen – die alle enorme Mengen an Energie verbrauchen – entstehen aus einem verzerrten Verständnis der Realität. Darüber hinaus stören die Unfähigkeit, das Ziel zu verstehen oder zu erreichen, und die Unfähigkeit, geerdet zu bleiben, die Kontinuität unserer Praxis.

Um einen Zustand tiefer Meditation erreichen zu können, muss der Geist konzentriert bleiben und darf nicht abgelenkt werden. Durch Ablenkungen entstehen Aufmerksamkeitsschwankungen, Eigensinne oder Abneigungen und es entstehen Hindernisse. Wäre die Ablenkung nicht aufgetreten, gäbe es kein Hindernis.

Solange diese neun Hindernisse bestehen, erschöpfen wir unsere Energien, um sie loszuwerden, und es bleibt wenig Zeit für die eigentliche Übung. Wenn die endgültige Heilung für diese neun Hindernisse nicht erreicht wird, entstehen unweigerlich fünf weitere Hindernisse. Diese werden im nächsten Sutra besprochen.


[1] Desikachar T.K.V. “Yoga. Tradition und Erfahrung. Die Praxis des Yoga nach dem Yoga Sutra des Patanjali“, 2017, Auflage 7, Verlag Via Nova, S. 60

Veröffentlicht von Izabela

Yoga- und Meditationslehrerin

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